Lerna, »Haus der Dachziegel« & Steineinfassung
Die Siedlung Lerna an der Westseite des Argivischen Golf in dem heutigen Dorf Myli ist eine der bedeutendsten Stätten der prähistorischen Zeit in Griechenland, die über ungefähr 5.000 Jahre von der neolithischen bis zur mykenis-1. genutzt worden ist. In den tieferen Schichten wurden Häuser des frühen und mittleren Neolithikum ( Lerna I und II : 6. – 5. Jahrtausend v. Chr.) erfoscht. Sichtbar ist heute nur ein Haus aus mittelneolithischer Zeit. Die große Blüte Lernas ist mit der Phase frühhelladisch II zu verbinden ( Lerna III : 2700 – 2200 v. Chr.), als die Siedlung eine mächtige Befestigung mit einem Tor und zwei Türmen im Süden . Unter den rechteckigen Häusern jener Epoche hebt sich ein monumentaler, 12x25 m großer Bau mit dem Haupteingang im Osten und einer Reihe von Räumen entlang Ost-West-Achse sowie Korridoren an seinen Langseiten. Der Bau war zweigeschossig, erbaut aus einem Steinfundament und einem Oberbau aus ungebrannten Lehmziegeln, der ein Ziegeldach trug. Ein großer Teil von diesen wurde in seiner Zerstörungsschicht gefunden und gab dem Bau den konventionellen Namen »Haus der Dachziegel«. Im Süden der beiden kleinen Räume, die Zugang nur von der Außenseite des Baus besaßen, befanden sich über 150 Tonsiegel mit Abdrücken von ca. 60 Siegeln. Diese Tonmassen, mit denen der Inhalt von Behältern versiegelt worden war, bestätigen die Existenz eines frühen städtischen zentralen Verwaltungssystems. Über dem zerstörten Bau wurde in der FH III-Phase ( Lerna IV : 2200 – 2000 v. Chr.) ein Grabhügel von 19 m Durchmesser mit einer Steineinfassung errichter, der nicht für Bestattungen enuttungen beundz Ehrenmal für die ruhmvollen Vorfahren gehalten wird. Die Beseidlung bestand kontinuierlich in der FH III-Phase und auch in mittelhelladischer Zeit ( Lerna V : 2000-1700 v. Chr.), wobei Häuser mit rechteckigem wie auch apsidialem Grundriß vorkommen. Die Veränderungen in der Keramik (Einführung der Töpferschreibe) werden Einfällen zugeschrieben, die mit den ersten Griechen indoeuropäischer Herkunft in Zusammenhang gebracht werden. Während des Übergangs von der mittel-zur späthelladischen Zeit ( Lerna VI: 1700-1600 v. Chr.) wurden zwei Schachtgräber in die Ruinen des Hauses der dachziegel eingelassen. Die auch während der mykenischen Palastzeit (Lerna VII: 14.-13. Jh. v. Chr.) andauernde Besiedlung bezeugt die Existenz einer blühenden Stadt, wenn auch mit dem Charakter einer Satellitenstadt. Obgleich Lerna in historischer Zeit eine Stätte von geringer Bedeutung ist, lokalisiert die Mythologie hier den abgrundtiefen Βλ. Die Funde aus den Grabungen in Lerna sind im Arcäologischen Museum von Argos ausgestellt.